Sonntag, 25. November 2007

Nachtrag Oamaru

Bitte entschuldige, dass dieser Blog so lange keine Aktualisierung erfahren durfte. Es war viel los in letzter Zeit und ich war auch mehrere Tage fernab jeglicher Zivilisation. Nun bin ich in Queenstown, habe mir soeben ein Bier aufgemacht und mir einen schönen Sitzplatz hoch über den See ausgesucht und tippe nun mal wieder für Dich drauflos. Die Temperatur misst übrigens windig auffrischende 18 Grad und es ist wolkig. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ich wollte mich um Arbeit kümmern. Das war gar nicht so einfach und vor zwei Wochen gab es nicht wirklich viel zu tun für niedrig qualifizierte Gastarbeiter. Die Weinstöcke waren ausgedünnt und die Äpfel waren noch nicht soweit. Langsam schlich sich bei mir die lange Weile ein und so beschloss ich am Montag irgendwohin weiter zu fahren und eventuell zurück zu kehren, wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Ebenso hatte sich die Sonne am Abend vorher so wunderschön verabschiedet und ich sollte sie so bis zum Wochenende nicht wiedersehen. Regen setzte ein - Tiefdruckgebiet. Ich überlegte noch, wohin die Reise gehen könnte, da fand sich Anna ein. Sie hatte soeben erfahren, dass sie sich nach Christchurch begeben musste um irgendwas mit ihrem Visa zu regeln. Okay, Christchurch könnte auch ein Reisziel sein und Anna wollte definitiv wieder zurück nach Motueka fahren. So musste ich also nicht alleine aufbrechen und konnte auch noch die Spritkosten teilen. Kurz vor unserem Aufbruch gesellte sich dann noch eine Schweizerin hinzu und so ging das Auto voll geladen auf die Reise. Ich bereute diese Entscheidung schon kurze Zeit später, als sich meine Passagiere als Meckertrullas entpuppten. Da gefiel ihnen die Musik nicht und sie hatten natürlich auch keine Alternativen anzubieten. Ich hätte doch so schön mit richtig lauter Musik durch die Gegend fahren können und nun das. Anna meinte, das würde Sie alles so sehr an Sonnabend erinnern, wo alle in Nelson tanzen waren und es ihr dann so schlecht gegangen wäre. Mir ging an diesem Tag jedoch schon vor der Abreise nach Nelson schlecht, so dass ich nicht mit konnte. Ich musste mich hinlegen und ich erwachte kurze Zeit später mit dem äußerst dringenden Bedürfnis kotzen zu müssen. Ich bin dann speiend zur Toilette gerannt und hab seit Langem mal wieder ne richtige Sauerei veranstaltet. Dabei hatte ich nicht ein Bier getrunken und wohl was Überlagertes gegessen. Nahrungsmittel kühl zu halten ist als Backpacker äußerst kompliziert und hatte wohl bei meinem Abendessen nicht geklappt. Da macht mein sensibler Magen nicht mit! So bin ich also eh schon auf Dancemusicentzug und nun erinnerte mich auch noch diese Schweizerin zunehmend an Dunjas Schwester - ich war bedient. Schließlich sind wir bei völligem Scheißwetter in Christchurch angekommen. Es regnete die ganze Zeit und ich war genau wie in Wellington an tagelange Sonne gewöhnt. Der erste Regentag nach einer Woche Sonnenschein ist doch immer etwas schwierig - aber da muss ich Dir im kalten Europa ja gar nix erzählen. Noch dazu gabs im Hostel nur Wucherinternet. Herrje.

Nun saß ich in Christchurch und grübelte wie es nun weitergehen könnte. Christchurch ist im Hochsommer bestimmt recht schön - eine Stadt am Meer mit Malibustrand. Aber nass und trüb macht das hier keinen richtigen Sinn. Es ist letztendlich eine weitere mittelgroße Stadt. Am nächsten Morgen bin ich mit Anna zu dieser Halbinsel südöstlich der Stadt aufgebrochen. Dunjas Schwester aus der Schweiz hatte ich schon abgehängt, aber es sollte nicht meine letzte Begegnung mit ihr werden. Es regnete und außer Meer und abgeholzte Hügel gab es dort nichts. Anna jammerte die ganze Zeit, dass es ihr in Neuseeland sowieso nicht gefällt und Sie deshalb hier arbeiten wolle. Mir gefällt das Land eigentlich zum Urlaub machen sehr gut und so ergab sich dann nach und nach die Entscheidung, diese Idee mit der Arbeit als Quatsch einzustufen. Arbeiten kann ich in Deutschland besser - für mehr Geld und mit sinnvolleren Aufgaben als für den Mindestlohn unreife Äpfel in Stressgeschwindigkeit zu pflücken. Diese Möglichkeit hätte sich tatsächlich in ein paar Tagen ergeben, aber mein Entschluss war an diesem Nachmittag: Ich mache noch Urlaub und nehme den Flieger am 25.12. zurück nach Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass ich hier ohne meine Musik und die mir gewohnten Wochenendveranstaltungen sowieso schon verdorre kam auch noch eine weitere Unterstützung für mir eine Entscheidung hinzu. Ferdinand von der Mt. Arthur-Expedition sagte mir am Telefon, dass die selbe Crew am kommenden Wochenende den 4 Tage Kepler-Track im Fjordland angehen wollte und ich herzlich dazu eingeladen sei. Ich hatte schon von einem erfahrenen Holländer gehört, dass dieser Trampingpfad auf jeden Fall ganz oben in Neuseeland rangiert und sich wirklich lohnen sollte. Doch alleine wollte ich nicht 4 Tage über Berge und Täler stiefeln. So ergriff ich die Gelegenheit und verabredete mich mit den Jungs am Sonnabend im Örtchen Te Anau. Es war Dienstagabend gegen 17 Uhr, als ich Christchurch alleine, mit Lieblingsmusik und mit neuen festen Plan in Richtung Süden verließ. Ich hatte noch Zeit und ich freute mich schon auf die vom Reisführer prophezeiten Pinguinkolonien am Wegesrand.

Auf meiner Autofahrt ist mir dann aufgefallen, dass hier die Straßen ungewohnt lange einfach nur gerade aus gehen. Kein Berg, kaum Hügel. Nur flaches Land auf dem trotz Regen die Bewässerung unentwegt Wasser verspritzte. Es ist hier wohl viel zu trocken für diese Jahreszeit - mich solls nicht stören. Ich buchte noch schnell am Telefon einen Late Check-in in Oamaru. Diese Stadt ist bekannt für ihre große Zwergpinguinkolonie am Rande der Stadt. Die Bauweise der Häuser veränderte sich mit jedem gefahrenen Kilometer. Hier wird doch tatsächlich mit Stein gebaut und die Holzhütten sind eindeutig in der Unterzahl. Faszinierend. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Baukunst auch in Neuseeland Anwendung findet. Mein Hostel war jedoch noch aus Holz und die Elektroheizkörper liefen auf vollen Touren. Draußen waren es nur noch 4 Grad und da wird es auch Pipi Langstumpf in ihrer Holzhütte kalt. Die Betreiberin, das Haus - irgendwie erinnerte mich hier alles an Fräulein Langstrumpf. Alles nur ein bisschen in die Jahre gekommen und nun mit eigenem Kindlein auf dem Arm. Gunther erstrahlte. Was macht eigentlich die Kinderschar in Halle? Ach so viele Gründe zurück zu kehren und nur das Wetter und viel Gegend um hier zu bleiben. Mein Beschluss war offiziell.

Pinguine verlassen sehr zeitig ihr Nest um im Meer fischen zu gehen. Mit dem Einbruch der Dämmerung kommen sie dann wieder zurück ans Land, so dass ich am nächsten Tag noch viel Zeit hatte um meine Pinguinexpedition vorzubereiten. Die Zwergpinguinkolonie in Oamaru kann man nur Abends von einer Tribüne aus besichtigen. Eintritt 18 Dollar und fotografieren verboten - das ist nix für mich. Um von weniger touristisch erschlossene Kolonien zu erfahren, sollte ich am nächsten Tag zwei Typen am Hafen aufsuchen. Dazu gab mir noch Fräulein Langstrumpf weitere sehenswürdige Tipps mit auf den Weg und noch einen Hinweis für eine tolle Kolonie der Gelbaugenpinguine - ungefähr 30 km südlich von Oamaru. Weil bis zur Dämmerung noch viel Zeit war, fuhr ich also zuerst zu den Elephant Rocks, die wohl auch schon in irgendeinem Film die Kulisse waren. Schön - mal abgesehen von dem Japanerbus, der sich dort grade entladen hatte. Etwas abseits fand ich dann noch einen wunderschönen Unterschlupf im Felsen, in dem sich ganz sicher schon einige Pärchen ganz heftig geliebt haben, wie mir die Innschriften verrieten. Danach zurück zum Hafen, wollte ich doch noch ein paar Geheimtipps für die Pinguinkolonien ergattern. Die Rückfahrt gestaltete sich gelungen abwechslungsreich. So musste ich ein Fahrradrennen überholen, an dem nur ausgesprochen klassische Fahrradmodelle teilnahmen (siehe Foto). Oamaru sollte sich am kommenden Wochenende an die längst vergangenen goldenen Zeiten erinnern. Einst war sie größte Hafenstadt Neuseelands, bis der Hafen zu klein wurde - oder die Schiffe zu groß. Mir sollte der Hafen auch einen Strich durch die Rechnung machen. Meine beiden Kontaktpersonen waren leider nicht anzutreffen. Offene Briefe an den Eingangstüren verkündeten, dass der eine Steinskulpturen schnitzen war und der andere am Mt. Cook wandert. Als ich um die Häuser schlich, lag jedoch vor mir ein toter Zwergpinguin. Der arme Kerl musste wohl den Eingang zur benachbarten Touristenkolonie verpasst haben. Zum Glück hatte ich noch die Gelbaugenpinguine.

Nach einer ewigen Fahrt entlang der Küste gelangte ich endlich an das mir beschriebene Cape. Ich musste mich nur noch einmal erkundigen, wie ich nun zu dieser Lighthouse Road gelange und dann, nach ein paar Kilometern Schotterpiste baute sich endlich der Leuchtturm vor mir auf. Hier sollten also die Pinguine bald eintreffen. Der Weg führte mich durch Tonnen von Schafscheiße direkt zu einem kleinen Beobachtungshäuschen. Dieses schütze mich nicht nur vor dem eisigen Wind sondern bot mir auch ein Fernglas, durch jenes ich nun einen genaueren Blick auf eine Bucht erhaschen konnte. Ein Pinguin watschelte am Strand entlang und Robben lümmelten sich faul in der Gegend rum. Ich wartete ein-einhalb Stunden und es kamen nur magere 3 Pinguine aus dem Wasser gestiefelt. Für die Peaktime war das eindeutig zu wenig! So beschloss ich, dass Häuschen zu verlassen und die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Und siehe da: die Gelbaugen hatten sich wohl für eine andere Bucht entschieden und stiefelten schon zahlreich in Botanik herumwie schön. Ich war begeistert und zückte meine Kamera. So hatte ich mir das vorgestellt. Weit und breit nur Pinguine und ich - mal abgesehen von den Robben, verschiedenen Vögeln und natürlich den Schafen, die etwas abseits alles voll kacken und unentwegt määähn. Weit nach 22 Uhr bin ich dann endlich wieder im Hostel angekommen. Noch kurz was essen und dann hab ich noch einen ganz tollen Maorifilm "Whale Rider" angesehen - im großartigen Heimkino mit Beamer und spitzen Sound bei Fräulein Langstrumpf. Ein perfekter Tag in Oamaru ging zu ende...


Oh mann, jetzt muss ich erstmal was essen. Dann gehts weiter, wie Gunther 4 Tage durch die Berge wandert, den Milford Sound besucht und dann endlich am Südende Neuseelands abklatscht und sich somit nun schon auf dem Rückweg befindet. Die Kür ist geschafft! Und jetzt besuche ich diesen ach so berüüüühmten Burgerladen hier in Queenstown. Bis später.

Mittwoch, 7. November 2007

White Elephant - Motueka

Die Details der Kjakfahrt und die Abel Tasman Wanderung lasse ich jetzt mal aus. Sehr schön, die Gegend - ist ja sowieso sehr viel Gegend hier. Ich hab nachts auf nem Hausboot übernachtet und bin dann morgens mit 3 Holländern, ner Deutschen und einer aus Norwegen durch den Nationalpark zurück gelaufen. Es war ne Kaffeefahrt und ich war abends nie irgendwie geschafft. Seekajak mit Rückenwind ist ja sooo easy und mit den Wellen hat das echt Spaß gemacht. Lustig war, dass eine Engländerin im Kajak seekrank geworden ist - dass war war auch für Laura, unserem Guide, neu :)



Montag Morgen: Die Sonne scheint, blauer Himmel überall, nur eine Wolke hält sich am Mt. Arthur, den man von unserem Hostel sehen kann. Heute macht sich eine Expedition aus dem White Elephant auf, den Gipfel des Berges zu erklimmen. Sie besteht aus Jörg dem rheinländischen Hostelinhaber, Stefan der Siemens Ingeneur aus Berlin, Ferdinand dem dresdener Ex-Auslandszivi in Australien, Gunnar der Fit4fun Journalist aus Hamburg und mir. Wir haben uns schon vorher immer sehr gut am Abend beim Bier unterhalten und sind schon sowas wie Freunde geworden. Wir waren auf raues Wetter vorbereitet, weil ja oben immer noch Schnee liegt. Das es aber so heftig kommen sollte, das konnte man sich hier in Motueka nicht vorstellen. Schließlich waren die Anderen soeben mit Schlappen und kurzer Hose zum Strand aufgebrochen. Wir fuhren mit dem Auto auf ca. 900 Meter hinauf, so dass wir schon die Hälfte der ca. 1750 Meter geschafft hatten. Am Parkplatz war immer noch schönes Wetter - nur der Wind wehte uns nun etwas kühler um die Nase und diese eine Wolke versperrte immer noch die Sicht auf den Gipfel. Wir ließen uns nicht beirren. Vorbei gings an den verschiedenen Vegetationszonen und den hier und dort aufgestellten Tierfallen. Ich lernte von Jörg, dass Oppossum und Wiesel schon fast alle Vögel erfolgreich ausgerottet haben. Es war wirklich ziemlich still im Wald. Ebenso gibt es Pflanzen wie Ginster und Weißrose (?), die hier übel wuchern und den andern Pflanzen im Tal richtig Probleme machen. Wir erreichten die Baumgrenze und mussten leider feststellen, dass die Wolke immer noch da war. Sie hatte aber nict nur Nebel für uns bereit gehalten, sondern auch Hagel und besonders heftigen Sturm. Wir legten zügig unsere gesamte Schlechtwetterkleidung an. Ebenso die Sonnenbrille, weil Hagel mit geschätzter Fluggeschwindigkeit über 100 km/h im Auge ziemlich pieckst. Der Wind wurde immer krasser. Als wir dann die ersten Schneefelder erreichten, konnte man von gehen nicht mehr sprechen. Eher stämmten wir uns gegen den Wind und kämpften uns nur noch Meter um Meter nach vorn. Es war einfach zu gefährlich und Spaß hatte es zuletzt auch nicht mehr gemacht, so dass wir 100 Meter unterhalb des Gipfels, der einfach nicht zu sehen war, wieder umkehrten., Zurück im Hostel traute ich dann meinen Augen nicht - keine Wolke und gute Sicht auf den Gipfel. Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen - Kommentar von Ferdinand.

Abends hörten wir dann von einem Peace-Festival, welches irgendwo im Motueka Valley an einem Ort namens Riverside stattfinden sollte. Peace-Festival klang doch recht vielversprechend - auf gings. Wir erreichten das Schild Riverside bei einsetzender Dämmerung und es stellte sich heraus, dass es sich hier um eine der ältesten Hippiekommunen der Gegend handelte. Die sind so buddhistisch-kommunistisch angehaucht und wahre Relikte aus vergangenen Zeiten der Friedensbewegung. Es gab erst mal Essen. Jeder hatte was mitgebracht und weil es dort kein Privateigentum gibt, war es auch frei für alle. Das Kommunenhäuschen war tiptop in Ordnung. Beleuchtung, Parket, ordentliche Wände - und drin war eine Ausstellung vergangener Aktivitäten im Kampf für den Frieden (und Sozialismus?). Es durfte auch kein Alkohol mitgebracht werden, was wir natürlich nicht wussten und gleich mal mit Wein und Bier aufwarteten. Naja, sie haben es uns nicht übel genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war dort eigentlich noch tote Hose, Eltern unterhielten sich und die Kinder sprangen in der Gegend herum. So hatte das Festival für uns erst einen Anschein eines Kommunentreffens bzw. sah es so aus wie ein offener, entspannter Elternachmittag. Dann aber entdeckte ich, wie im Häuschen so riesige Xylophone aufgebaut wurden. Musik, das könnte spannend werden - dachte ich mir. Bald ertönte ein Horn mit einer Melodie, die ungefähr einer sterbenden Giraffe glich. Alle begaben sich in den großen Raum und sollten sich nun im Kreis versammeln. Stefan wurde neben mir etwas unruhig. Dann ergriff eine ergraute Hippiebraut das Wort. Vielen Dank fürs erscheinen und bevor die Party startet könnte jetzt jeder das Wort ergreifen, der etwas der Gemeinschaft sagen möchte, ein Lied singen oder was auch immer. Oh scheiße, dachte ich mir. War es doch durchaus möglich, dass sich nun die Gäste - also auch ich mich vorstellen sollte. Dann ergriff ein Hippie-Maori das Wort. Er begann auf Maori, was keiner Verstand. Dann erklärte er es auf Englisch, dass es ein Zitat vom ersten Maorikönig war, der ebenso Love Peace und Unity in der Gemeinschaft gepredigt hat - egal ob Schwarz oder Weiß etc. Na aber Hallo! In the beginning there was Jack - das versuche ich doch auch immer klar zu stellen.. Danach spielte er noch ein Lied auf einer Flöte. Das war sehr gut! Dann ergriffen zwei Peace Walker das Wort. Wenn man den typischen Friedenshippie als Comicfigur darstellen möchte, dann würde ich die genau so wie die beiden darstellen. Der Circle wurde grenzwertig. Sie erklärten ihren Friedenswalk und luden zum nächsten im Mai bei Vollmond ein.. Dann sangen alle Lieder mit repetetiver Songstruktur: "We are Cricles, We are Circles, without beginning and never ending" und "All we are sailing, lets give peace a chance".



Dann gab es noch das Abschlusslied mit A O I - das bedeutet auf Maori soviel wie Love, Peace und Unity. Dazu sollten sich alle erheben und dann dazu sich durch Armbewegungen ausdrücken. Das war dann doch etwas befremdlich und mir ist freiwillige Interaktion echt lieber. Lustig wars trotzdem und danach begaben sich endlich die Freaks hinter ihre Instrumente und die Party konnte starten. Alle waren begeistert und weil wir ja auch wegen der Party da waren, haben alle aus dem Hostel kräftig mitgetanzt. Seht selbst:





Dienstag taten sich nun wieder ein paar mehr Leute zusammen, um die Golden Bay hinter den 7 Bergen zu besuchen. Hatte ich doch erzählt, dass die Whawariki Beach sooo schön ist. Und weil wir hier die ganze Zeit so viel Spass hatten, bin ich auch noch mal mitgefahren. Dieses mal war Low Tide gegen 14 Uhr. Am Strand war zwar immer noch genug Platz, aber einsam konnte man diese Beach heute nicht mehr erleben. Das war mit unserer 8 Personen Reisegruppe eh ausgeschlossen und ich war froh, dass ich dieses Erlebnis schon hatte. Die Beach ist aber so groß, dass man eigentlich immer wieder kommen kann und bestimmt noch etwas Neues entdeckt. Dieses Mal war es dieses kleine Showtalent, dass hier in einem Wasserloch versteckt hinter einem Felsen auf uns wartete. Mama lag übrigens 10 Meter weiter in einer Höhle und hat geschlafen. Alle waren völlig begeistert und die kleine Robbe schien auch glücklich über etwas Gesellschaft zu sein. Nach einer Weile erinnerte ich mich daran, dass die in der Robbenshow Bälle balancieren und über Stöckchen springen. Ich machte mich auf und fand ein Stöckchen. Ach die kleine Robbe hat echt schön gespielt und ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal Showrobben trainieren würde.



Wir waren dann noch im berühmten Mussle Inn essen - das lohnt sich echt. Nicht nur, dass man dort ein wunderschönes Klo mit Trockenspühlung bewundern kann. Nein, die haben dort auch echt leckeres Bioessen, selbst hergestellte Getränke und ordentliche Musik. Abends haben wir uns erneut auf der Veranda im White Elephant zusammen getan und ich habe noch mal meine Story mit den heißen Bremsen genau erzählt. Stafan hat festgestellt, dass er seit Wochen immer eine Wolke bei sich hat. Am Whawariki Beach war doch tatsächlich ebenso eine Wolke über uns gekreist und er erzählte, es sei beim Kajak fahren ebenso gewesen. Es war so lustig, dass wir mit Tränen in den Augen vor lachen nicht mehr konnten. Ich hab hier eine gute Zeit, doch gestern sind die ersten weiter gezogen und ich werde mich nun endlich mal um Arbeit kümmern..

Sonntag, 4. November 2007

Heute begann mein Tag mit einem schweren Kater der mich daran erinnerte, dass mir das Bier aus der Zapfanlage meistens gar nicht gut bekommt. So wechselte ich bis heute gegen 16 Uhr mit heftigen Kopfschmerzen und leichter Übelkeit stets zwischen Schaukelstuhl auf der Veranda und meinem Bett, hier im White Elephant Hostel in Motueka. Gestern war ich erst aus dem Abel Tasman Nationalpark zurück gekehrt und dann am Abend mit der Hostelbesatzung in den einzigen Dancepub des Ortes aufgebrochen. Dort gab es dann Coverrocksongs mittelschlecht interpretier von einer lokalen Band und die Dorfjugend tanzte zu Nirvana, Greenday usw. Es war ein bisschen wie in der Schuldisko, bloß das bei uns Zombie Joe wenigstens ihre eigenen Ideen unters Volk brachten. An der Bar ist mir dann dieser Fehler mit dem Bier passiert und so sah ich heute alle zum Strand aufbrechen und wieder zurückkommen, während ich hier vor mich hin mickerte. Jetzt kennen mich hier alle - und wer mich je so gesehen hat, weiß wie ich heute aussah. Zum Glück bin ich aber nun weitgehend wieder hergestellt und kann euch nun endlich berichten, was diese Woche geschah.

Am Dienstag war ich wieder zur Golden Bay aufgebrochen und unterwegs nördlich von Takaka und Motupipi. Ich glaube die Maoris hatten hier wirklich Spaß daran, ihren Ortsnamen einen fäkale Doppeldeutigkeit zu verleihen. Es ist eine ziemlich abgeschiedene Gegend und ich lag doch richtig damit, dass die moderne Kommunikation dort noch in der Embryonalphase steckt. Es gab höchstens mal ein Modem zu Rekordpreisen und günstige Telefonanschlüsse waren ebenso Fehlanzeige. Aber diese Halbinsel gefällt mir von dem, was ich bisher in Neuseeland gesehen habe wirklich am Besten. Ich bin so gleich mal bis zum nördlichsten Punkt der Südinsel durchgefahren - getreu meinem Nord-Südplan für diese Reise. Am Cape Farewell dachte ich schon, ich bin hier ganz allein. doch ist man hier wohl nie wirklich ganz allein, so dass ich bald ein Schaf und eine Kuh auf den benachbarten Hügeln entdeckte, die mich interessiert beobachteten. Das hätte mir auch gleich klar sein können, musste ich doch auf meinem Anfahrtsweg diverse Tiergatter öffnen und hinter mir wieder schließen. Und bald realisierte ich auch, dass es trotz des ewigen Windes hier noch übel nach Tierkacke roch. Und als ich dann am Cape sah und den brechenden Wellen zusah traute ich erst meinen Augen kaum, als dort ebenso im Wasser planschende Robben ausmachte. Es sollte nicht meine letzte Begegnung in dieser Woche mit den Seals gewesen sein.

Die nächste nacht verbrachte ich im Somerset House Bei den Ü50 jährigen Chris und seiner asiatischen Frau Hiromi. Es war ein gemütliches Hostel jedoch mit recht spärlicher Ausstattung und ihre Yogakurse sollten im benachbarten Collingwood im Bürgerzentrum stattfinden, so dass es mich nur eine Nacht hier hielt. Am Morgen bin ich so zeitig aus meinem 3fachstockbett gehüpft, weil die Whawariki Beach bei Low Tide am schönsten sein sollte - und Ebbe war gegen 8 Uhr. Nach kurzem Frühstück hab ich dann den Fiat wieder zum Nordstrand hinauf getrieben und staunte nicht schlecht als plötzlich dieser riesige strand vor mir lag und weit und breit weder Kuh, Schaaf und Mensch zu sehen waren. Sofort wollte ich ein Panoramavideo für Euch aufnehmen, so dass ich auf diesen Fels kletterte und sofort diese Aufnahme tätigte. Geschätzt mehrere Dutzend Muscheln mussten dafür ihr Leben lassen, weil jeder Zentimeter der Steine mit diesen kleinen schwarzen Exemplaren übersäht war. Und dann drehte ich mich um und bekam einen mittleren Schreck. War ich doch benahe in ein Robbenjunges getreten, welches sich hinter meinen Rücken in der Sonne bräunte und mich nun mit großen Kulleraugen anguckte. Vermutlich hatte ich es beim Schlafen ertappt und nun blieb es einfach liegen. Ohne zu zögern bannte ich es als Digitalfoto auf meiner Kamera. Doch nicht so alleine wie es anfangs aussah. Und dann entdeckte ich weitere Robben und dieses ausgewachsene Exemplar war weitaus nicht so cool wie das Junge und ergriff sofort die Flucht. Daneben gab's noch allerlei Krebse in den Felsspalten und riesige Muschelexpemplare, die jedoch leider noch bewohnt waren. Ich verbrachte den ganzen Vormittag mit meiner Exkursion auf diesem Strand (meiner neuen Nummer 1 auf der Strandrangliste) und lies mich erst gegen Ende von der Flut zurück ins Auto spülen.

Nächster Halt war an diesem Tag Farewell Spit. Das ist eine 25 Kilometer lange Sandbank, die westlich vom Cape Farewell ins Meer hinaus ragt, für die Golden Bay den Abschluss bildet und ein große Heimat für besonders viele Vogelarten bildet, die auch aus Sibirien anreisen, um dort dem langen Winter zu entgehen. Der Strand nach Süden war übersäht mit Muscheln und unter Vögeln vielen besonders die Trauerschwäne auf und im Inneren die knallgrünen Frösche, die dort ein wirklich ambitionierten Quak-Liveact hingelegt haben. Musikalisch war das, das bisher beste was ich hier in Neuseeland gehört haben. Die hatten wenigstens ne ordentliche Bassline und ein für Frösche bemerkenswertes Rhythmusgefühl. Danach trat ich wieder den Rückweg an weil ich annehme, dass die Sibirischen Vogelarten noch nicht eingetroffen sind und 50 km wandern auch eindeutig für übertrieben ansah. So war ich Nachmittags im "The Innlet"-Hostel eingekehrt, das schönste Hostel bisher. Zwar ist Internet nicht vorhanden, ebenso wie der fehlende Trockner und die Waschmaschine war viel zu teuer. Jonathan und Kathi sind ehemalige Hippies - kein Zweifel. Ihr Hostel lag mitten im subtropischen Regenwald und war dennoch nicht mal 5 Minuten vom Strand entfernt. Herum war alles so grün und der Bach plätscherte vor sich hin. Ach trotz fehlender Kommunikationsmöglichkeiten wäre ich am Liebsten für eine Zeit dort geblieben und die Chancen stehen gar nicht schlecht. Jedoch war der Woofer-platz (Working for Accomodation) bereits von Nick belegt und danach hatte sich auch schon jemand dort angemeldet. So blieb ich nur eine Nacht und packte am nächsten Morgen etwas wehmütig meine Sachen. Kann gut sein, dass ich noch einmal dort vorbei fahre, aber ich muss jetzt erst mal irgendwie Geld in die Taschen kriegen. Doch vorher wollte ich unbedingt mal wieder etwas Sport machen - Seakayaking und im Wandern im Abel Tasman Nationalpark.

Am Donnerstag hielt ich auf meinem Weg nach Süden zuerst bei einem weiteren, ausgesprochen schönen Hostel und Yoga-Schule, die leider noch geschlossen hat und erst im Dezember loslegt sowie die legendäre Bar "Mussle In" (sieht aus wie das Nöö). Okay, dann ging's zum Muscheln sammeln, an der Golden Bay. Das Wasser ist dort sehr flach und bei einsetztender Flut kann man dort schon bei angenehmer Wassertemperatur im Meer waten. Neben wirklich vielen schönen Muscheln fand ich auch einen grünen Stein. Innerlich jubelte ich, so glaubte ich doch hier einen echten Jadestein gefunden zu haben und musste somit sofort einen Juwelier aufsuchen und nachfragen. Mein erster Versuch lag daneben, dafür weiß ich jetzt, wo ich eventuell einen finden kann... Jadesteine sind hier sehr beliebt und sollen Glück bringen, wenn man sie geschenkt bekommt. Da jedoch, wie ich gelernt habe, die meisten Steine aus Nordkorea importiert werden und nur 6 % der Jadesteine, die hier angeboten werden, wirklich aus Neuseeland kommen will ich doch versuchen, einen Jadestein selbst aufzuspüren. Mal sehen, ob mir das gelingt. Dann schlug es schon gleich 5 und ich musste mich beeilen, wieder die 300irgendwas Kurven die 792 Meter hoch und wieder runter zu kommen, weil den Abel Tasman Nationalpark erreicht am besser über die andere Seite der Berge und dann musste ich ja noch meinen 2 Tage-Trip planen.

Mein MP3-Player hatte inzwischen mangels Batterieladung eingestellt und so hörte ich auf meinem Weg in die Berge Radio New Zealand - sowas wie bei uns Deutschland Radio. Das Thema der Diskussion drehte sich um den neuen Bericht der Weltkrebs-Foundation. Seit Langem mal wieder Politik - irgendwie habe ich es doch vermisst, obwohl ich doch zeitweise dem in Deutschland etwas überdrüssig gewesen war. Als ich die Berge hoch kurvte durfte eine Expertin für Volksgesundheit ihre Meinung zum Thema abgeben. So war das Konsumverhalten der Neuseeländer wohl am meisten, und nun empirisch bewiesen, für die vielen Krebsfälle hier verantwortlich. Neben der UV-Strahlung, die hier um 40% höher als in Spanien ist (das Ozonloch ist hier direkt über mir ist) ist also Fastfood schuld - endlich empirisch bewiesen. Rauchen haben sie ja grade schon in öffentlichen Einrichtungen sowie Clubs und Bars verboten. Alkohol ist reglementiert, also sollte jetzt bitte wenigstens die Fastfoodwerbung verboten werden. Und an den Verstand des Menschen zu appellieren wäre sowieso reine Zeitverschwendung. Die Bildung wäre ja auf hohem Niveau in Neuseeland und ... da verschwand der Radiosender hinter der letzten Kurve. Ich meckerte auf den Fiat ein. Solch ein Redebeitrag könnte mich glatt zum Anrufer in solch einer Talkrunde machen und ich brauste die Kurven geschwind hinab, um schnell wieder in Sendereichweite zu gelangen. Der Fiat macht ja grade im Bereich zwischen 30 und 80 Km/h wirklich Spaß bis mich ein leider vertauter Gestank aus meinem Fahrvergnügen riss. Mein Peugot hatte letztens so gerochen bevor ich ihn auf dem Rastplatz Köckern das letzte Mal unter herben Ölverlust parkte. Nun roch es herb nach verbrannten Gummi und die Brenswirklung verschlechterte sich. Ich parkte sofort am Straßenrand, hatte ich doch soeben die letzten Kurven des Takaka Hills hinter mir gelassen. Panik ergriff mich als ich realisierte, dass echter Rauch aus meinen Vorderrädern empostieg und das hörte so schnell nicht auf. Als erstes evakuierte ich meine wichtigsten Gepäckstücke aus dem Auto. So wie das rauchte befürchtete ich ernsthaft, dass der blöde Fiat gleich abbrennt. Scheiße! Steppo hatte mich ja gewarnt, aber irgendwie dachte ich, so geht das noch. Falsch gedacht. Ich riss die Motorhaube auf. Es brachte nichts. Es stank übel und rauchte stetig weiter. Was macht man eigentlich, wenn die Bremse Feuer fängt? Meine Nerven wuchsen wieder mit anhaltender Situation. Vielleicht sollte ich besser die Handbremse lösen? Ja. Dann wartete ich ca. eine Stunde. Hierbei holte ich mir bei den ansässigen Nachbarn Rat, wer denn der beste Automechaniker in der Gegend sei. Mir wurde Griffin in Moteka genannt und nebenbei zeigte der Kiwi-Bauer unerwartetes Wissen über die Geographie Deutschlands. Eine Nachbarin bemerkte "this is not the german Autobahn". Die deutsche Autobahn findet hier in Neuseeland nicht zum ersten Mal große Anerkennung.

Gut, die Karre bremst noch und so erreichte ich schließlich "The White Elephant" in Moteka. Im Hostel wurde ich freundlich empfangen und ich hatte gleich meine neue Geschichte mit den heißen Bremsen auf Lager. Es ist immer gut, wenn man gleich eine Geschichte auf Lager hat und meine Erzählung ging mir auch besonders einfach von den Lippen, weil das Hostel - wie sich schnell herausstellte - fest in deutscher Hand ist. So konnte ich auch mal wieder kleine erzählerische Feinheiten verwenden, die mir leider noch in Englisch verwehrt bleiben. So organisierte ich schnell meinen Trip durch den Abel Tasman Nationalpark. Einen Tag Kajak. Danach eine Übernachtung auf einem Hausboot und dann zurück wandern. Für Essen musste ich noch schnell sorgen und dann war ich schon auf der Veranda im Gespräch verwickelt. Morgens um 8 Uhr sollte ich an der Kajakstation sein und der Abend davor war dafür eigentlich zu lange. So erzählte uns der Besitzer noch tolle Sachen über den Kahurangi Nationalpark in Golden Bay und über den Mt. Arthur, welchen man in einem Tag erklettern kann, durch richtig viele verschiedene Vegetationszonen läuft bis man schließlich den schneebedeckten Gipfel erreicht und das sich selbst der Besitzer, dessen Namen ich inzwischen leider wieder vergessen habe, der spontanen Wandergruppe anschließen würde. Kahurangi und Golden Bay... es wird also eine Fortsetzung geben.

Eine Fortsetzung gibts auch von diesem Blogeintrag, aber für heute entschuldigt mich bitte :)