Bitte entschuldige, dass dieser Blog so lange keine Aktualisierung erfahren durfte. Es war viel los in letzter Zeit und ich war auch mehrere Tage fernab jeglicher Zivilisation. Nun bin ich in Queenstown, habe mir soeben ein Bier aufgemacht und mir einen schönen Sitzplatz hoch über den See ausgesucht und tippe nun mal wieder für Dich drauflos. Die Temperatur misst übrigens windig auffrischende 18 Grad und es ist wolkig. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ich wollte mich um Arbeit kümmern. Das war gar nicht so einfach und vor zwei Wochen gab es nicht wirklich viel zu tun für niedrig qualifizierte Gastarbeiter. Die Weinstöcke waren ausgedünnt und die Äpfel waren noch nicht soweit. Langsam schlich sich bei mir die lange Weile ein und so beschloss ich am Montag irgendwohin weiter zu fahren und eventuell zurück zu kehren, wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Ebenso hatte sich die Sonne am Abend vorher so wunderschön verabschiedet und ich sollte sie so bis zum Wochenende nicht wiedersehen. Regen setzte ein - Tiefdruckgebiet. Ich überlegte noch, wohin die Reise gehen könnte, da fand sich Anna ein. Sie hatte soeben erfahren, dass sie sich nach Christchurch begeben musste um irgendwas mit ihrem Visa zu regeln. Okay, Christchurch könnte auch ein Reisziel sein und Anna wollte definitiv wieder zurück nach Motueka fahren. So musste ich also nicht alleine aufbrechen und konnte auch noch die Spritkosten teilen. Kurz vor unserem Aufbruch gesellte sich dann noch eine Schweizerin hinzu und so ging das Auto voll geladen auf die Reise. Ich bereute diese Entscheidung schon kurze Zeit später, als sich meine Passagiere als Meckertrullas entpuppten.
Da gefiel ihnen die Musik nicht und sie hatten natürlich auch keine Alternativen anzubieten. Ich hätte doch so schön mit richtig lauter Musik durch die Gegend fahren können und nun das. Anna meinte, das würde Sie alles so sehr an Sonnabend erinnern, wo alle in Nelson tanzen waren und es ihr dann so schlecht gegangen wäre. Mir ging an diesem Tag jedoch schon vor der Abreise nach Nelson schlecht, so dass ich nicht mit konnte. Ich musste mich hinlegen und ich erwachte kurze Zeit später mit dem äußerst dringenden Bedürfnis kotzen zu müssen. Ich bin dann speiend zur Toilette gerannt und hab seit Langem mal wieder ne richtige Sauerei veranstaltet. Dabei hatte ich nicht ein Bier getrunken und wohl was Überlagertes gegessen. Nahrungsmittel kühl zu halten ist als Backpacker äußerst kompliziert und hatte wohl bei meinem Abendessen nicht geklappt. Da macht mein sensibler Magen nicht mit! So bin ich also eh schon auf Dancemusicentzug und nun erinnerte mich auch noch diese Schweizerin zunehmend an Dunjas Schwester - ich war bedient. Schließlich sind wir bei völligem Scheißwetter in Christchurch angekommen. Es regnete die ganze Zeit und ich war genau wie in Wellington an tagelange Sonne gewöhnt. Der erste Regentag nach einer Woche Sonnenschein ist doch immer etwas schwierig - aber da muss ich Dir im kalten Europa ja gar nix erzählen. Noch dazu gabs im Hostel nur Wucherinternet. Herrje.
Nun saß ich in Christchurch und grübelte wie es nun weitergehen könnte. Christchurch ist im Hochsommer bestimmt recht schön - eine Stadt am Meer mit Malibustrand. Aber nass und trüb macht das hier keinen richtigen Sinn. Es ist letztendlich eine weitere mittelgroße Stadt. Am nächsten Morgen bin ich mit Anna zu dieser Halbinsel südöstlich der Stadt aufgebrochen. Dunjas Schwester aus der Schweiz hatte ich schon abgehängt, aber es sollte nicht meine letzte Begegnung mit ihr werden. Es regnete und außer Meer und abgeholzte Hügel gab es dort nichts. Anna jammerte die ganze Zeit, dass es ihr in Neuseeland sowieso nicht gefällt und Sie deshalb hier arbeiten wolle. Mir gefällt das Land eigentlich zum Urlaub machen sehr gut und so ergab sich dann nach und nach die Entscheidung, diese Idee mit der Arbeit als Quatsch einzustufen.
Arbeiten kann ich in Deutschland besser - für mehr Geld und mit sinnvolleren Aufgaben als für den Mindestlohn unreife Äpfel in Stressgeschwindigkeit zu pflücken. Diese Möglichkeit hätte sich tatsächlich in ein paar Tagen ergeben, aber mein Entschluss war an diesem Nachmittag: Ich mache noch Urlaub und nehme den Flieger am 25.12. zurück nach Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass ich hier ohne meine Musik und die mir gewohnten Wochenendveranstaltungen sowieso schon verdorre kam auch noch eine weitere Unterstützung für mir eine Entscheidung hinzu. Ferdinand von der Mt. Arthur-Expedition sagte mir am Telefon, dass die selbe Crew am kommenden Wochenende den 4 Tage Kepler-Track im Fjordland angehen wollte und ich herzlich dazu eingeladen sei. Ich hatte schon von einem erfahrenen Holländer gehört, dass dieser Trampingpfad auf jeden Fall ganz oben in Neuseeland rangiert und sich wirklich lohnen sollte. Doch alleine wollte ich nicht 4 Tage über Berge und Täler stiefeln. So ergriff ich die Gelegenheit und verabredete mich mit den Jungs am Sonnabend im Örtchen Te Anau. Es war Dienstagabend gegen 17 Uhr, als ich Christchurch alleine, mit Lieblingsmusik und mit neuen festen Plan in Richtung Süden verließ. Ich hatte noch Zeit und ich freute mich schon auf die vom Reisführer prophezeiten Pinguinkolonien am Wegesrand.
Auf meiner Autofahrt ist mir dann aufgefallen, dass hier die Straßen ungewohnt lange einfach nur gerade aus gehen. Kein Berg, kaum Hügel. Nur flaches Land auf dem trotz Regen die Bewässerung unentwegt Wasser verspritzte. Es ist hier wohl viel zu trocken für diese Jahreszeit - mich solls nicht stören. Ich buchte noch schnell am Telefon einen Late Check-in in Oamaru. Diese Stadt ist bekannt für ihre große Zwergpinguinkolonie am Rande der Stadt. Die Bauweise der Häuser veränderte sich mit jedem gefahrenen Kilometer. Hier wird doch tatsächlich mit Stein gebaut und die Holzhütten sind eindeutig in der Unterzahl. Faszinierend. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Baukunst auch in Neuseeland Anwendung findet. Mein Hostel war jedoch noch aus Holz und die Elektroheizkörper liefen auf vollen Touren. Draußen waren es nur noch 4 Grad und da wird es auch Pipi Langstumpf in ihrer Holzhütte kalt. Die Betreiberin, das Haus - irgendwie erinnerte mich hier alles an Fräulein Langstrumpf. Alles nur ein bisschen in die Jahre gekommen und nun mit eigenem Kindlein auf dem Arm. Gunther erstrahlte. Was macht eigentlich die Kinderschar in Halle? Ach so viele Gründe zurück zu kehren und nur das Wetter und viel Gegend um hier zu bleiben. Mein Beschluss war offiziell.
Pinguine verlassen sehr zeitig ihr Nest um im Meer fischen zu gehen. Mit dem Einbruch der Dämmerung kommen sie dann wieder zurück ans Land, so dass ich am nächsten Tag noch viel Zeit hatte um meine Pinguinexpedition vorzubereiten. Die Zwergpinguinkolonie in Oamaru kann man nur Abends von einer Tribüne aus besichtigen. Eintritt 18 Dollar und fotografieren verboten - das ist nix für mich. Um von weniger touristisch erschlossene Kolonien zu erfahren, sollte ich am nächsten Tag zwei Typen am Hafen aufsuchen. Dazu gab mir noch Fräulein Langstrumpf weitere sehenswürdige
Tipps mit auf den Weg und noch einen Hinweis für eine tolle Kolonie der Gelbaugenpinguine - ungefähr 30 km südlich von Oamaru. Weil bis zur Dämmerung noch viel Zeit war, fuhr ich also zuerst zu den Elephant Rocks, die wohl auch schon in irgendeinem Film die Kulisse waren. Schön - mal abgesehen von dem Japanerbus, der sich dort grade entladen hatte. Etwas abseits fand ich dann noch einen wunderschönen Unterschlupf im Felsen, in dem sich ganz sicher schon einige Pärchen ganz heftig geliebt haben, wie mir die Innschriften verrieten. Danach zurück zum Hafen, wollte ich doch noch ein paar Geheimtipps für die Pinguinkolonien ergattern. Die Rückfahrt gestaltete sich gelungen abwechslungsreich. So musste ich ein Fahrradrennen überholen, an dem nur ausgesprochen klassische Fahrradmodelle teilnahmen (siehe Foto). Oamaru sollte sich am kommenden Wochenende an die längst vergangenen goldenen Zeiten erinnern. Einst war sie größte Hafenstadt Neuseelands, bis der Hafen zu klein wurde -
oder die Schiffe zu groß. Mir sollte der Hafen auch einen Strich durch die Rechnung machen. Meine beiden Kontaktpersonen waren leider nicht anzutreffen. Offene Briefe an den Eingangstüren verkündeten, dass der eine Steinskulpturen schnitzen war und der andere am Mt. Cook wandert. Als ich um die Häuser schlich, lag jedoch vor mir ein toter Zwergpinguin. Der arme Kerl musste wohl den Eingang zur benachbarten Touristenkolonie verpasst haben. Zum Glück hatte ich noch die Gelbaugenpinguine.
Nach einer ewigen Fahrt entlang der Küste gelangte ich endlich an das mir beschriebene Cape. Ich musste mich nur noch einmal erkundigen, wie ich nun zu dieser Lighthouse Road gelange und dann, nach ein paar Kilometern Schotterpiste baute sich endlich der Leuchtturm vor mir auf. Hier sollten also die Pinguine bald eintreffen. Der Weg führte mich durch Tonnen von Schafscheiße direkt zu einem kleinen Beobachtungshäuschen. Dieses schütze mich nicht nur vor dem eisigen Wind sondern bot mir auch ein Fernglas, durch jenes ich nun einen genaueren Blick auf eine Bucht erhaschen konnte.
Ein Pinguin watschelte am Strand entlang und Robben lümmelten sich faul in der Gegend rum. Ich wartete ein-einhalb Stunden und es kamen nur magere 3 Pinguine aus dem Wasser gestiefelt. Für die Peaktime war das eindeutig zu wenig! So beschloss ich, dass Häuschen zu verlassen und die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Und siehe da: die Gelbaugen hatten sich wohl für eine andere Bucht entschieden und stiefelten schon zahlreich in Botanik herum
wie schön. Ich war begeistert und zückte meine Kamera. So hatte ich mir das vorgestellt. Weit und breit nur Pinguine und ich - mal abgesehen von den Robben, verschiedenen Vögeln und natürlich den Schafen, die etwas abseits alles voll kacken und unentwegt määähn. Weit nach 22 Uhr bin ich dann endlich wieder im Hostel angekommen. Noch kurz was essen und dann hab ich noch einen ganz tollen Maorifilm "Whale Rider" angesehen - im großartigen Heimkino mit Beamer und spitzen Sound bei Fräulein Langstrumpf. Ein perfekter Tag in Oamaru ging zu ende...
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