Am Dienstag war ich wieder zur Golden Bay aufgebrochen und unterwegs nördlich von Takaka und Motupipi. Ich glaube die Maoris hatten hier wirklich Spaß daran, ihren Ortsnamen einen fäkale Doppeldeutigkeit zu verleihen. Es ist eine ziemlich abgeschiedene Gegend und ich lag doch richtig damit, dass die moderne Kommunikation dort noch in der Embryonalphase steckt. Es gab höchstens mal ein Modem zu Rekordpreisen und günstige Telefonanschlüsse waren ebenso Fehlanzeige. Aber diese Halbinsel gefällt mir von dem, was ich bisher in Neuseeland gesehen habe wirklich am Besten. Ich bin so gleich mal bis zum nördlichsten Punkt der Südinsel durchgefahren - getreu meinem Nord-Südplan für diese Reise. Am Cape Farewell dachte ich schon, ich bin hier ganz allein. doch ist man hier wohl nie wirklich ganz allein, so dass ich bald ein Schaf und eine Kuh auf den benachbarten Hügeln entdeckte, die mich interessiert beobachteten. Das hätte mir auch gleich klar sein können, musste ich doch auf meinem Anfahrtsweg diverse Tiergatter öffnen und hinter mir wieder schließen. Und bald realisierte ich auch, dass es trotz des ewigen Windes hier noch übel nach Tierkacke roch. Und als ich dann am Cape sah und den brechenden Wellen zusah traute ich erst meinen Augen kaum, als dort ebenso im Wasser planschende Robben ausmachte. Es sollte nicht meine letzte Begegnung in dieser Woche mit den Seals gewesen sein.
Die nächste nacht verbrachte ich im Somerset House Bei den Ü50 jährigen Chris und seiner asiatischen Frau Hiromi. Es war ein gemütliches Hostel jedoch mit recht spärlicher Ausstattung und ihre Yogakurse sollten im benachbarten Collingwood im Bürgerzentrum stattfinden, so dass es mich nur eine Nacht hier hielt. Am Morgen bin ich so zeitig aus meinem 3fachstockbett gehüpft, weil die Whawariki Beach bei Low Tide am schönsten sein sollte - und Ebbe war gegen 8 Uhr. Nach kurzem Frühstück hab ich dann den Fiat wieder zum Nordstrand hinauf getrieben und staunte nicht schlecht als plötzlich dieser riesige strand vor mir lag und weit und breit weder Kuh, Schaaf und Mensch zu sehen waren. Sofort wollte ich ein Panoramavideo für Euch aufnehmen, so dass ich auf diesen Fels kletterte und sofort diese Aufnahme tätigte. Geschätzt mehrere Dutzend Muscheln mussten dafür ihr Leben lassen, weil jeder Zentimeter der Steine mit diesen kleinen schwarzen Exemplaren übersäht war. Und dann drehte ich mich um und bekam einen mittleren Schreck. War ich doch benahe in ein Robbenjunges getreten, welches sich hinter meinen Rücken in der Sonne bräunte und mich nun mit großen Kulleraugen anguckte.
Vermutlich hatte ich es beim Schlafen ertappt und nun blieb es einfach liegen. Ohne zu zögern bannte ich es als Digitalfoto auf meiner Kamera. Doch nicht so alleine wie es anfangs aussah. Und dann entdeckte ich weitere Robben und dieses ausgewachsene Exemplar war weitaus nicht so cool wie das Junge und ergriff sofort die Flucht. Daneben gab's noch allerlei Krebse in den Felsspalten und riesige Muschelexpemplare, die jedoch leider noch bewohnt waren. Ich verbrachte den ganzen Vormittag mit meiner Exkursion auf diesem Strand (meiner neuen Nummer 1 auf der Strandrangliste) und lies mich erst gegen Ende von der Flut zurück ins Auto spülen.
Nächster Halt war an diesem Tag Farewell Spit. Das ist eine 25 Kilometer lange Sandbank, die westlich vom Cape Farewell ins Meer hinaus ragt, für die Golden Bay den Abschluss bildet und ein große Heimat für besonders viele Vogelarten bildet, die auch aus Sibirien anreisen, um dort dem langen Winter zu entgehen. Der Strand nach Süden war übersäht mit Muscheln und unter Vögeln vielen besonders die Trauerschwäne auf und im Inneren die knallgrünen Frösche, die dort ein wirklich ambitionierten Quak-Liveact hingelegt haben. Musikalisch war das, das bisher beste was ich hier in Neuseeland gehört haben. Die hatten wenigstens ne ordentliche Bassline und ein für Frösche bemerkenswertes Rhythmusgefühl. Danach trat ich wieder den Rückweg an weil ich annehme, dass die Sibirischen Vogelarten noch nicht eingetroffen sind und 50 km wandern auch eindeutig für übertrieben ansah. So war ich Nachmittags im "The Innlet"-Hostel eingekehrt, das schönste Hostel bisher. Zwar ist Internet nicht vorhanden, ebenso wie der fehlende Trockner und die Waschmaschine war viel zu teuer. Jonathan und Kathi sind ehemalige Hippies - kein Zweifel. Ihr Hostel lag mitten im subtropischen Regenwald und war dennoch nicht mal 5 Minuten vom Strand entfernt. Herum war alles so grün und der Bach plätscherte vor sich hin.
Ach trotz fehlender Kommunikationsmöglichkeiten wäre ich am Liebsten für eine Zeit dort geblieben und die Chancen stehen gar nicht schlecht. Jedoch war der Woofer-platz (Working for Accomodation) bereits von Nick belegt und danach hatte sich auch schon jemand dort angemeldet. So blieb ich nur eine Nacht und packte am nächsten Morgen etwas wehmütig meine Sachen. Kann gut sein, dass ich noch einmal dort vorbei fahre, aber ich muss jetzt erst mal irgendwie Geld in die Taschen kriegen. Doch vorher wollte ich unbedingt mal wieder etwas Sport machen - Seakayaking und im Wandern im Abel Tasman Nationalpark.
Am Donnerstag hielt ich auf meinem Weg nach Süden zuerst bei einem weiteren, ausgesprochen schönen Hostel und Yoga-Schule, die leider noch geschlossen hat und erst im Dezember loslegt sowie die legendäre Bar "Mussle In" (sieht aus wie das Nöö). Okay, dann ging's zum Muscheln sammeln, an der Golden Bay. Das Wasser ist dort sehr flach und bei einsetztender Flut kann man dort schon bei angenehmer Wassertemperatur im Meer waten. Neben wirklich vielen schönen Muscheln fand ich auch einen grünen Stein. Innerlich jubelte ich, so glaubte ich doch hier einen echten Jadestein gefunden zu haben und musste somit sofort einen Juwelier aufsuchen und nachfragen. Mein erster Versuch lag daneben, dafür weiß ich jetzt, wo ich eventuell einen finden kann... Jadesteine sind hier sehr beliebt und sollen Glück bringen, wenn man sie geschenkt bekommt. Da jedoch, wie ich gelernt habe, die meisten Steine aus Nordkorea importiert werden und nur 6 % der Jadesteine, die hier angeboten werden, wirklich aus Neuseeland kommen will ich doch versuchen, einen Jadestein selbst aufzuspüren. Mal sehen, ob mir das gelingt. Dann schlug es schon gleich 5 und ich musste mich beeilen, wieder die 300irgendwas Kurven die 792 Meter hoch und wieder runter zu kommen, weil den Abel Tasman Nationalpark erreicht am besser über die andere Seite der Berge und dann musste ich ja noch meinen 2 Tage-Trip planen.
Mein MP3-Player hatte inzwischen mangels Batterieladung eingestellt und so hörte ich auf meinem Weg in die Berge Radio New Zealand - sowas wie bei uns Deutschland Radio. Das Thema der Diskussion drehte sich um den neuen Bericht der Weltkrebs-Foundation. Seit Langem mal wieder Politik - irgendwie habe ich es doch vermisst, obwohl ich doch zeitweise dem in Deutschland etwas überdrüssig gewesen war. Als ich die Berge hoch kurvte durfte eine Expertin für Volksgesundheit ihre Meinung zum Thema abgeben. So war das Konsumverhalten der Neuseeländer wohl am meisten, und nun empirisch bewiesen, für die vielen Krebsfälle hier verantwortlich. Neben der UV-Strahlung, die hier um 40% höher als in Spanien ist (das Ozonloch ist hier direkt über mir ist) ist also Fastfood schuld - endlich empirisch bewiesen. Rauchen haben sie ja grade schon in öffentlichen Einrichtungen sowie Clubs und Bars verboten. Alkohol ist reglementiert, also sollte jetzt bitte wenigstens die Fastfoodwerbung verboten werden. Und an den Verstand des Menschen zu appellieren wäre sowieso reine Zeitverschwendung. Die Bildung wäre ja auf hohem Niveau in Neuseeland und ... da verschwand der Radiosender hinter der letzten Kurve. Ich meckerte auf den Fiat ein. Solch ein Redebeitrag könnte mich glatt zum Anrufer in solch einer Talkrunde machen und ich brauste die Kurven geschwind hinab, um schnell wieder in Sendereichweite zu gelangen. Der Fiat macht ja grade im Bereich zwischen 30 und 80 Km/h wirklich Spaß bis mich ein leider vertauter Gestank aus meinem Fahrvergnügen riss. Mein Peugot hatte letztens so gerochen bevor ich ihn auf dem Rastplatz Köckern das letzte Mal unter herben Ölverlust parkte. Nun roch es herb nach verbrannten Gummi und die Brenswirklung verschlechterte sich. Ich parkte sofort am Straßenrand, hatte ich doch soeben die letzten Kurven des Takaka Hills hinter mir gelassen. Panik ergriff mich als ich realisierte, dass echter Rauch aus meinen Vorderrädern empostieg und das hörte so schnell nicht auf. Als erstes evakuierte ich meine wichtigsten Gepäckstücke aus dem Auto. So wie das rauchte befürchtete ich ernsthaft, dass der blöde Fiat gleich abbrennt. Scheiße! Steppo hatte mich ja gewarnt, aber irgendwie dachte ich, so geht das noch. Falsch gedacht. Ich riss die Motorhaube auf. Es brachte nichts.
Es stank übel und rauchte stetig weiter. Was macht man eigentlich, wenn die Bremse Feuer fängt? Meine Nerven wuchsen wieder mit anhaltender Situation. Vielleicht sollte ich besser die Handbremse lösen? Ja. Dann wartete ich ca. eine Stunde. Hierbei holte ich mir bei den ansässigen Nachbarn Rat, wer denn der beste Automechaniker in der Gegend sei. Mir wurde Griffin in Moteka genannt und nebenbei zeigte der Kiwi-Bauer unerwartetes Wissen über die Geographie Deutschlands. Eine Nachbarin bemerkte "this is not the german Autobahn". Die deutsche Autobahn findet hier in Neuseeland nicht zum ersten Mal große Anerkennung.
Gut, die Karre bremst noch und so erreichte ich schließlich "The White Elephant" in Moteka. Im Hostel wurde ich freundlich empfangen und ich hatte gleich meine neue Geschichte mit den heißen Bremsen auf Lager. Es ist immer gut, wenn man gleich eine Geschichte auf Lager hat und meine Erzählung ging mir auch besonders einfach von den Lippen, weil das Hostel - wie sich schnell herausstellte - fest in deutscher Hand ist. So konnte ich auch mal wieder kleine erzählerische Feinheiten verwenden, die mir leider noch in Englisch verwehrt bleiben. So organisierte ich schnell meinen Trip durch den Abel Tasman Nationalpark. Einen Tag Kajak. Danach eine Übernachtung auf einem Hausboot und dann zurück wandern. Für Essen musste ich noch schnell sorgen und dann war ich schon auf der Veranda im Gespräch verwickelt. Morgens um 8 Uhr sollte ich an der Kajakstation sein und der Abend davor war dafür eigentlich zu lange. So erzählte uns der Besitzer noch tolle Sachen über den Kahurangi Nationalpark in Golden Bay und über den Mt. Arthur, welchen man in einem Tag erklettern kann, durch richtig viele verschiedene Vegetationszonen läuft bis man schließlich den schneebedeckten Gipfel erreicht und das sich selbst der Besitzer, dessen Namen ich inzwischen leider wieder vergessen habe, der spontanen Wandergruppe anschließen würde. Kahurangi und Golden Bay... es wird also eine Fortsetzung geben.
Eine Fortsetzung gibts auch von diesem Blogeintrag, aber für heute entschuldigt mich bitte :)

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