Mittwoch, 26. September 2:00 AM
Endlich da. Mit dem Taxi erreichen wir das Bamber House, welches wir auf Tini's Empfehlung als erste Station gewählt haben. Vielen Dank, das war ein sehr guter Tipp. Um wenigstens irgendwie mobil zu sein haben wir uns nach dem ersehnten Bett erst mal einen Mietwagen genommen. Danach ging der ganze Tag für meinen kaputten Rucksack drauf. Meine erste Kontaktadresse schickt mich weiter an die Nächste und die wieder an die Nächste. Der Typ, der mir dort bestätigen soll, dass der Rucksack wirklich kaputt ist dämpft meine Hoffnungen, dass ich nur im Ansatz den vollen Preis zurück bekomme. Am Abend bin ich zurück am Flughafen in Auckland - mir wird versprochen, sich zu kümmern. Asiana Airlines verantwortlich und die haben ihr nächstes Büro in Sydney. Ich werde auf Morgen vertröstet.
Donnerstag, 27. September
Mir ist es wieder nicht gelungen, mal wenigstens 8 Stunden durchzuschlafen. Seit einer Woche geht das jetzt schon so und langsam macht sich dieser permanente Schlafentzug deutlich in meinem allgemeinem Fitnesszustand bemerkbar. Heute steht Autosuche auf dem Programm. Nach dem Studium des Automarkts in der Tageszeitung brechen wir auf zum Backpacker-Car-Market - ein Ort wo Backpacker ihre Autos an andere Backpacker verkaufen. Die erste Probefahrt: Mir wird erklärt, dass ich die Autos nicht selbst fahren darf. Stattdessen kommt ein Mechaniker der das Au
to für mich fährt und ich darf auf dem Beifahrersitz platz nehmen und zusehen. Er schmeißt die Karre an und schnell ist die Garage voll schwarzen Abgas. Der Mechaniker sieht genau so aus wie zwielichtige, halbkriminelle Automechaniker im Comic aussehen, denen man auf gar keinen Fall vertrauen darf. Wir fahren um den Block und er sagt mir, alles ist toll und funktioniert einwandfrei. Das mit dem Abgas ist eine Einstellungssache und nicht so schlimm - na gut. Das nächste Auto sieht auf den ersten Blick super aus. Der Motor blitzt. Ich werfe die Karre an und schon tropft die Kühlflüssigkeit unten raus. Vielen Dank.
Zwar hätte ich ein Auto eventuell gekauft, aber so richtig war ich nicht überzeugt und so entschloss ich mich nun die Schwarzen Bretter in den anderen Hostels zu checken. Zufällig kamen wir dabei an einem Fiat und Alfa Romeo Autohaus vorbei wo sie eigentlich nur Neuwagen verkaufen. Steppo kam auf Idee, doch mal nachzufragen und Sie hatten tatsächlich diesen roten Fiat Bravo für 3000 NZ$ all inclusive mit 85000 km runter und soweit ohne erkennbare Probleme. OK - Suche beendet.
Abends sind wir dann noch auf den Mt. Eden gefahren. Neuseeland hat ja unzählige Vulkane und einer ist mitten in Auckland umzingelt von schicken Einfamilien-Holzhäuschen im US-Style. Diese Woche ist ja ein Vulkan überraschend im Skigebiet ausgebrochen. Es ist wohl niemand getötet wurden, aber gefährlich sahen die Bilder schon aus. Ich hoffe für Auckland, das Mt. Eden wirklich so tot ist, wie angenommen. Zurück im Hostel sind wir schon gut in die Riesen-WG integriert. Abends um 10 bin ich eigentlich tot müde und möchte nur noch schlafen. Inzwischen wurden wir jedoch in ein Dreibettzimmer umgesiedelt und teilen nun unser Schlafgemach mit Victoria Greenland aka Magdalena, 47, Artist aus Chile. Als ich mich nun gerne hinlegen will ist sie im Zimmer in einer sehr persönlichen Unterhaltung mit Adelina aus Genf und ich, höflich wie ich bin entschließe mich vorerst meine Zähne zu putzen, die Toilette zu besuchen und eventuell zu duschen... leider ist jeder Waschraum und auch jedes Klo besetzt und so finde ich mich wieder unten im Gemeinschftsraum ein und mache mir ein Bier auf. Etwas später versuche ich einen zweiten Versuch. Steppo hat sich in die Diskussion auf dem Zimmer integriert und ich beschließe mich einfach hinzulegen. Nun rate mal wer 3 AM der Letzte war, der noch munter war: genau, ICH! Bei Diskussionen um Freiheit, Kannibalismus etc. fällt mir ja doch irgendwas ein und als alle schliefen war ich wieder hell wach - so hell wie der Vollmond an diesem Abend schien.
Freitag, 28. September 6:31 AM
Der Tag beginnt um 6:31 Uhr damit, dass mir Steppo freundlich am großen Zeh zieht und mich fragt, ob es schon nach 10 sei. Ich hole mit gekonntem Handgriff mein Telefon aus der Hosentasche und beende diese Szene mit den Worten Sechs Uhr Einunddreißig. Das Bamber House ist gut gefüllt und so haben sie ein wenig Probleme mit dem Bettenmanagement. Platz ist fuer alle da - aber einige müssen doch den Raum ab und zu wechseln. Wir sollten deshalb auch um 10 umziehen - dann aber doch nicht. Alles kein Problem und die Stimmung ist echt gut. Für
mich stand heute zuerst die Lösung der letzten organisatorischen Probleme an bevor der Urlaub endlich losgehen kann: Haftpflichtversicherung, Cash fürs Auto organisieren und den Fiat abholen und, last but not least, in Sydney bei Asiana um mein Geld kämpfen. Letzters erübrigte sich, weil niemand ans Telfon ging - ich soll wohl nur ca 60 Euro für meinen kaputten Rucksack bekommen *grrr*. Naja, der Rest hat geklappt und so laden wir im Hostel noch Adelina, Simon und Lars ein und fahren zu Kelly Tarltons Underwater World, wo sich allerlei Getier wie Haie und Rochen durch Plexiglastunnel angucken lassen. Abends dann noch gemeinsames Kochen im Hostel - Riesen-WG eben. Hier hat mir vor allem Simon aus bayern echt geholfen, weil der irgendwie schon alles gelesen hatte und bestens informiert war - ganz im Gegensatz zu mir. Vor allem hat er mich auch in die Feinheiten der Kiwi-Verkehrsregeln eingeführt. Dann war da noch Maurizio aus Argentinien, den ich auch gerne den Garlic-messias nenne. Jeden Tag eine Knoblauchzehe und alles ist gut - das war seine Botschaft. Abends, als es dann ruhiger im Hostel geworden ist, werde ich dann wirklich etwas wehmütig. Das Wochenende steht vor der Tür...
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