Montag, 22. Oktober 2007

Was? Du bist wirklich schon 28?!

Alleine durch Neuseeland zu reisen war in den letzten Tagen doch ziemlich anstrengend. So bin ich nach meinem Geburtstag in Auckland ziemlich verkatert nach Cormomandel aufgebrochen und irgendwann endlich angekommen. Meine Kraft hielt wirklich nur noch fürs nächste Hostel und dort bin ich dann auch gleich ins Bett gefallen. Jedoch musste ich rasch feststellen, dass mich dort in einem 9-Bett-Gemeinschaftsraum befand. Außerdem war ich hoch erfreut, dass dieses ebenso in direkter Nachbarschaft zur großen Hostelküche lag. So ging auch bald die Tür auf, das Licht an, Rucksack rascheln setzte ein, Küchenklänge erschallten und ein Duft von Nudeln mit Tomatensoße umwarb meine Nase. 30 Minuten später gab ich es auf. Also kein Schlaf - na gut. Waschmaschine beladen und dann auf zum Supermarkt. Hier gibt es eigentlich in jedem Kaff einen Park'n'Save, Foodtown, Woolworths oder auch Countdown. Das sind relativ große Supermärkte die je nach Stadtgröße entweder bis 8, 22, 24 Uhr geöffnet haben oder niemals schließen. Cormomandel Town ist dagegen ein kleines Dorf in dem nur ein Konsum existiert. Das schöne ist jedoch, wenn man hier in Neuseeland den Ersten nach dem nächsten Supermarkt fragt, antwortet der in einem gar merkwürdigen Akzent - Deutscher! Die sind hier nämlich nach Maoris, Neuseeländern die drittstärkste Volksgruppe, wie ich jetzt endgültig feststellen durfte. So stand ich ne halbe Stunde auf der Straße und wurde noch mit neuen Reisetipps versorgt. Dann schnell ein paar Bier gekauft und zurück zum Hostel. Da kam mir dann ein Typ mit Snowboard, kleinen und großen Rucksack, Laptoptasche, Plastetüte und noch irgendwas entgegen. Es war Tim aus England, mein neuer Bettnachbar und auch Snowboardlehrer. Wir begannen nach kurzem Begrüßungssmalltalk schnell mit Bier trinken. Bald stellte sich heraus dass er ebenso Musiksoftware und selbst produzierte "Elektronika"-Tracks mit sich führt. COOL! Wir waren betrunken unterwegs in Coromandel Town. Dort gab es Ärger im Pub. So kauften wir schnell noch ein paar Take-A-Way-Bier und saßen dann in meinem Auto um uns gegenseitig Musik vorzuspielen. Es war fast so wie damals mit 18. So gabs nur wenig Schlaf aber viel zu erzählen. Ebenso mit den verrückten Japanern und auch ein bisschen Rückdeckung für meine english skills. Um 7 AM hat Tim den Bus nach Norden genommen, bye bye.. Ich bin weiter nach Süden gezogen, so war ich doch auf einem Weingut in Hastings zum Arbeiten verabredet.

Die anderen Tagen waren ähnlich. Von Coromandel bin ich über Taupo nach Hastings gefahren. Hier war grade Feiertag und kein Mensch unterwegs. Außerdem scheint Hastings ne olle Arbeiterstadt zu sein, so dass ich dort nur Miriam und Moritz mitgenommen hab und dann gleich weiter ins benachbarte Napier weiter gefahren bin. Napier ist eigentlich cool. Nachdem 1931 hier alles von einem Erdbeben zerstört wurde haben sie das gesamte Stadtzentrum im Art Deco-Stil wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist echt überzeugend. Es ist alles schnell zu erreichen. Die Häuser sind jeweils individuell und sehen ein bisschen nach Spanien aus. Es ist hier außerdem die sonnenreichste Gegend Neuseelands. Wenn es nur einen schönen Sandstrand gäbe, dann wäre es hier perfekt. Miriam und Moritz sind frische Abiturienten aus Deutschland, die hier wie ganz viele mit so ner Agentur unterwegs sind. Keine Ahnung wie viele das insgesamt sind, die diese Agentur hier betreut. Jedoch kennt irgendjemand von denen immer jemanden im Hostel. So war ich, ehe ich mich versah, in einer größeren Gruppe von 19-21 Jährigen. Fragen mich die doch tatsächlich, ob ich mir nicht komisch vorkomme - so mit 28? Und an der Kasse muss ich manchmal meinen Ausweis zeigen, wenn ich Alkohol kaufe. Mit 28 steht man einfach drüber. Manchmal ist es auch sehr zum schmunzeln wenn die Kücken vom Dorf denken, sie haben schon sooo'n Plan :)

Es gab also kein Sightseeing in der vergangenen Woche. Nur abhängen, Leute treffen, lernen, quatschen, lachen und auch endlich mal Abends weggehen. Letzteres war jedoch ziemlich zwiespältig für mich: ach wie war der Sommer schön. Berlin ick vermisse dir. Und och Halle. Meine Plattenspieler. Meine lieben Schallplatten. Dich? Da war ja so wenig los. Oh je. Abhängen im Hostel oder am Steinstrand ist hier wohl echt ne bessere Idee. Ich hab auch viel gelernt. Zum Beispiel, dass man im Rucksack echt Ordnung halten muss - ich lerne. Dass man hier ebenso ne Steuernummer und ein Konto zum Arbeiten braucht. Ein Konto hab ich schon. Wenn ich die Steuernummer morgen bekomme, dann arbeite ich auf dem Weingut. Wenn das doch länger dauert, dann geht's schon mal weiter nach Wellington und es wird eben erst auf der Südinsel gearbeitet. Ebenso hab ich gelernt, wie man beim Fiat den Schlüssel ausm Zündschloss zieht, ohne das immer das Standlicht angeht und ich die Sicherung rausnehmen muss. Und nicht zuletzt, dass man hier auch nach Mitternacht mit spontanen Gedichtsvorträgen von kostümierten älteren Damen in der Hostelküche rechnen muss. So long...


Das Video vom Gedichtsvortrag folgt. Die Internetverbindung ist hier soo lahm.

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