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Nachtrag: Cape Kidnappers - 25. Oktober
Miriam war zwischenzeitlich, wie die meisten anderen Deutschen, nach Hastings umgezogen, um dort Arbeit zu finden. Ich habe dagegen beschlossen, weiter nach Süden zu fahren. So plante ich am Donnerstag zuerst das Cape Kidnappers bei Napier zu besuchen und dann weiter nach Wellington zu fahren. Am Mittwochabend meldete sich Miriam bei Nina, einer Irin mit italienischer Mutter. Hastings fand sie wohl echt scheiße und fragte Nina, ob sie sie mit nach Wellington mitnehmen könnte. Um die Details mit Miriam genau auszukaspern gab mir Nina ihr Telefon - telefonieren in der Muttersprache ist doch um einiges günstiger. Ich erzählte ihr dann meinen Plan und so beschloss Miriam sich mir anzuschließen. Abends wollten wir dann Nina und Jost in Wellington wiedersehen. Okay. Um das Cape zu erreichen muss man sich wieder an Ebbe und Flut orientieren, so dass man auf dem Weg keine nassen Füße bekommt. Low Tide war an diesem Morgen gegen 11 Uhr.
Ich lernte, dass der Weg dorthin ca. 2nhalb Stunden dauert.. das bedeutete mit dem Pickup von Miriam in Hastings, dass ich spätestens gegen 8 im Hostel aufbrechen musste. Abends zuvor habe ich noch lange mit Ashley, seiner Frau, Nina, Jost und den anderen im Hostel gesessen, meine neuen Boxen ausprobiert und als es Nachts draußen zu kalt wurde, uns gemeinsam über das blöde Fernsehprogramm in Neuseeland amüsiert. So gibt es doch auch in Deutschland diese Serien, wo sie die Eigenheime von Familien auf Vordermann bringen. Hier gibt es jetzt spät Abends, frisch aus England importiert, eine Version, die sich mit dem Sexualleben von Paaren beschäftigt - mit live Wärmebild- und Infrarotaufnahmen.. Was für ein Spaß!
Es war ein schöner Morgen. Ebenso sonnig wie die Tage zuvor, jedoch mit viel weniger Wind, der doch noch recht kühl ist. Pünktlich gegen 9 ging es zu Fuß auf die insgesamt 22 Kilometer Wanderung zum Cape, welches vorallem für seine große Tölpelkolonie bekannt ist. Seinen Namen bekam es übrigens von Captain Cook. Als dieser in die Gegend kam bemerkten zwei Maori-Händler die thaitianischen Dolmetscher an Bord und dachten, das diese gegen ihren Willen dort festgehalten werden. Sie entführten kurzer Hand einen von ihnen und ruderten davon. Der Junge floh zum Schiff zurück, doch Captain Cook kennzeichnete diesen Ort auf seiner Karte als Cape Kidnappers.
Auf unseren Hinweg endeckte ich einige wirklich schöne Muscheln, so dass Miriam hin und wieder auf mich warten musste. Also das war wirklich ungewöhnlich: eine Frau die nicht gerne einkaufen geht, keinen Bock auf Blumen hat und Muscheln nicht toll findet - was ist denn das bitteschön? Nee, nee, nee. Bis auf uns war nur noch ein Ranger mit Jeep unterwegs und zwei weitere Wanderer. Sehr angenehm. Und bald entdeckten wir die ersten Vogelkolonien. Neben Möven waren noch andere. Ebenso groß, aber mit schwarzen Haupthaar - oder besser Hauptfedern.
Bald darauf entdeckten wir die ersten Tölpel. Wie ich eben festgestellt habe waren es australische Tölpel, die zur zweitseltensten Tölpelgattung zählen. Sie sehen aus wie Bass Tölpel sind aber anders - lest selbst. Und wie ich soeben festgestellt habe schlüpfen die Kücken in den nächsten paar Wochen. Ach schade. Es ging dann noch einen ziemlich harten Anstieg vom Meer hinauf zum Cape, aber es war wirklich klasse. So wuchsen die Tölpelkolonien dort oben immer weiter an und sie sind auch sehr lustig anzusehen wie sie starten. Der Kandidat im rechten Bild setzt, was ich nicht ahnte, gleich zum Start an.
So Albatrosmäßig watscheln die dann unter höchster Anstrengung am Rand der Kolonie entlang und lassen sich dann am Ende einfach von der Erhöhung, auf der sie stets eine Kolonie einrichten, fallen. Ebenso lustig ist die Landung. Sie fliegen ja wirklich ganz großartig. Wollen sie aber landen dann erkennt man es daran, dass sie kurz über dem Boden auf einmal anfangen, schwer zu rudern, um sich schließlich einfach auf den Boden plumpsen zu lassen. Hehe. Soweit war das alles sehr schön, bis auf den üblen Gestank nach ollen Fisch und Vogelscheiße. Besonders Miriam fand das richtig eklig. Kann sie doch den Fischgestank, nach einer Woche Arbeit in der Fischfabrik gar nicht mehr ertragen.
Sehr gerne hätte ich ein Video davon aufgenommen, aber als Naturfilmemacher bin ich eindeutig nicht mit der richtigen Kamera unterwegs. Auf dem Rückweg gab es noch tolle Sachen am Strand zu sehen. Neben merkwürdigen Steinbrocken bewunderte ich ebenso Korallenteile, Krebse, Seesterne und tote Fische. Hab alles fotografiert aber leider ist hier nicht so viel Platz. Nach 4nhalb Stunden waren wir wieder zurück und es lagen noch weitere 4nhalb Stunden Autofahrt nach Wellington vor uns...

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