Von Rotorua sind wir letzten Mittwoch in Richtung Waitomo aufgebrochen. So führte uns also der Weg wieder über den schon wohlbekannten Hiqhway 5 zurück nach Taupo. Steppo hatte ja noch seinen Bungee Sprung zu absolvieren. Es soll kaum eine schönere Location auf der Nordinsel dafür geben, als jene in Taupo. Also noch einmal hin, 3,2,1 Bungy und ab ging der Steppo :) Ich spare mir das Geld für Queenstown - wenn schon, denn schon. Danach ging's auch gleich weiter...
Seit letzter Woche hat das ausschließlich schöne Wetter Neuseeland verlassen. Nun ist es hier wie im April, nur viel wärmer als in Deutschland. Oft scheint eben noch die Sonne, schon regnet es wie verrückt und kurz danach wieder Sonnenschein, als wäre es nie anders gewesen. So geht das hier die ganze Zeit. Man weiß nie welches Wetter in einer Stunde sein wird. Und letzte Woche gab's dann tatsächlich mehr und mehr Regen. Das war uns aber fast egal. Waitomo ist bekannt für seine über 300 Höhlen und die Glühwürmchen darin. Das sind hier übrigens keine paarungsbereiten Flugkäfer wie die in Europa, sondern tatsächlich etwas ekelhaft aussehende Würmer mit einem leicht grünlich leuchtenden Ende. Die sollen auch relativ garstig sein und sich zur Not auch gegenseitig aufessen - Bon Appetit. Waitomos Höhlen sind perfekt touristisch erschlossen. In manchen Höhlen kann man mit dem Boot durch geschippert werden und dann in einem größeren Höhlenraum einen Haufen Glühwürmchen sehen, der dann wie ein Sternenhimmel unter der Erde aussieht. Das war für uns zu langweilig! Dann kann man auch ca. 200 Euro für eine Tagesexpedition mit 100-Meter Abseilübung ausgeben. Davon hatte uns schon jemand aus Wien berichtet - Testurteil: zu teuer. Dann gab es aber noch einen einzigen Flyer von Absolute Adventures. Ich dachte mir, es ist immer gut wenn die Flyer schon fast alle sind und das klang auch recht vielversprechend und war nur halb so teuer. Wir wurden also am nächsten Morgen von einem relativ kurz gewachsenen Kiwi mit Jeep in Empfang genommen. Als erstes fielen mit seine Unterarme auf, fast so dick wie meine Unterschenkel. Wir waren die einzigen Zwei, die mit ihm in die Höhle klettern sollten und auf der Fahrt erzählte er, dass diese Tagestour die härteste wäre, die man in Waitomo buchen kann. Das könnte er vielleicht einfach so gesagt haben, er sagte es jedoch wirklich überzeugend.
Schade, dass ich den Typen nicht fotografiert habe. Er passte so ziemlich in die Kategorie verrückter, relativ kleingewachsener Neuseeländer. Da war als erstes dieser Typ mit seinen Quadbikes. Dann dieser Typ vom Kletterpark. Beim Zorbing trafen wir auf dem Parkplatz einen Immobilienhändler. Dieser war mit einem tiefer gelegten Audi mit Breitreifen und 3 Japanerinnen unterwegs. Er fragte sofort nach unserer Herkunft und erklärte, dass er deutsche Autos liebt. Wir lernten bei ihm, dass die Autos genau wie die Frauen aus dem Land sind. Amerikanische Autos haben fette Ärsche. Mein italienisches Auto sieht gut aus, aber ich muss sehr sorgsam mit ihm sein. Deutsche Frauen kann man dagegen hart anfassen und sie mögen es. Er mochte besonders Michelle Pfeiffer.. Wir ließen dies unkommentiert. Über japanische Autos hat er übrigens nix erzählt - ich hab auch nicht gefragt. Nun dieser Höhlenforscher: Gleicher Gesichtsausdruck, gleiche Körpergröße, gleiches Geltungsbedürfnis und auch irgendwie verrückt. Jeder auf seine Art, aber doch ähnlich und Neuseeländer. Dazu passt vielleicht auch, was mir andere Backpacker über den neuseeländischen Minderwertigkeitskomplex berichtet haben. So könnte ich zu diesem Zeitpunkt eine soziologische Hypothese aufstellen - will ich aber nicht.
Wir erreichten das Camp. Das war eine Rumpel-Hütte, die ganz sicher schon bessere Tage hatte. Vor der Tür lagen die Gummistiefel und waren teilweise mit Wasser vollgelaufen. Dann die Ausrüstung. Wir sollten nur Badehose und Handtuch mitbringen. Dazu bekamen wir zwei Lagen Unterwäsche, die teilweise schon ziemlich durchlöchert war (siehe Foto). Darüber ein Fließ und darüber einen zerrissenen Stoff-Overall. Wenigstens Neoporensocken, dachte ich mir. Dann noch schnell das Wasser aus den passenden Gummistiefeln gekippt, Helm mit Lampe auf (das einzige neben meiner Badehose, was nicht irgendwo kaputt war) und schon stiefelten wir an einem Bach entlang und erreichten bald den Eingang zur Höhle. Ich registrierte nur kurz, dass auch das Bächlein in unsere Höhle fließt, denn schnell sollte es eine Felswand hinaufgehen die ungefähr doppelt so hoch war wie ich und keinen erkennbaren, natürlichen Klettersteig besaß. Stattdessen hing dort ein Seil herunter, an welchem wir nun hochklettern sollten.
Meine Begeisterung kam ins stocken. Als Hilfsmittel bekamen wir eine Art Griff, den man am Seil einrasten kann. Fürs Erste war das ein ziemlicher Kraftakt, den wir irgendwie meisterten.
Dann wurde es ziemlich entspannt. Es kamen bald Stalaktiten und Stalakniten, ein wunderschöner See, alles so wie man es auch aus deutschen Tropfsteinhöhlen kennt. Bloß ohne Gehweg, ohne Absperrung und einzig dem Diodenlicht unseres Helme. Ein bisschen hier durchgekrabbelt und mal dort herüber gehüpft - sehr schön.
Dann wurde es langsam unwegsamer. Wir durften uns mal 5 Meter abseilen, was zuerst nur ungewohnt war doch eigentlich kein Problem ist. Dann kam eine Schlucht und in der Tiefe hörte man irgendwo den Bach plätschern. Dieses Wasserrauschen war eigentlich die ganze Zeit da. Manchmal war es nur ganz leise, nun wurde es wieder lauter. Wir haben uns davor auch teilweise ungesichert irgendwo bewegt,
wo man besser nicht abrutscht und selbst die Sicherung war bei weitem nicht so, dass man sich nicht wehtun kann. Nun sollten wir also erst mit einem Bein über die Schlucht steigen, dann das zweite Nachziehen und uns mit den Händen an der gegenüberliegenden wand abstützen. Das Sicherungsseil fand ich für diese Übung eindeutig zu lasch gespannt und warum musste ich denn überhaupt die ganze Zeit vorgehen?
Ich stand schon vorher mal bis zum Bauch in einem Wasserloch. Unser Höhlenforscher meinte dann, ich solle doch die ganze Zeit vorgehen weil ich wirklich großes Talent besitze, die wirklich tiefen Löcher zu entdecken. Haha. Ich war aber doch überrascht, dass ich kein bisschen gefroren habe. War ich doch eigentlich klitschnass und nur mit Lumpen bekleidet. Bald war ich fast wieder trocken und wir erreichten einen großen Hohlraum an dem uns unser Guide Tee und Kraftfutterplätzchen reichte. Ich sollte mir nun noch einmal Tee nachschenken und so langsam begriff ich unsere nächste Aufgabe. Wir sollten uns in einem Wasserfall abseilen und dann denn Bach entgegensetzt der Strömung gehen und schließlich den Ausgang selbst finden.
Wenn es irgendwo nicht weiterging, dann über das Hindernis klettern und uns auf gar keinen Fall scheuen, nass zu werden. Wir würden es eh. Wir krochen auf allen Vieren durch den Bach und schleppten uns meistens ohne Hilfsmittel durch weitere Wasserfälle oder mussten uns beispielsweise über eine Strickleiter hangeln. Ich war echt bedient als wir endlich den Ausgang der Höhle erreicht hatten und hatte vorerst wirklich genug vom Höhlenklettern.
An diesem Abend haben wir unseren Plan anschließend nach Auckland zurückzukehren nicht mehr erfüllt sondern sind nach dem Essen sofort ins nächst gelegene Hostel gekippt. Ich fühlte mich ungefähr so fit wie ein überfahrenes Oppossum. Am Freitag waren wir dann wieder in Auckland und Samstag früh um 5 habe ich Steppo zurück zum Flughafen gebracht.
Für mich heißt es nun alleine weiterziehen - bis zum Südende, das ist das Ziel. Am ersten tag habe ich mich schon gefragt, was das alles soll. Ich habe erst mal nichts weiter unternommen und stattdessen endlich mal das eine Buch, welches mir Jule mitgegeben hat, zu ende gelesen. Am Sonntag wollte ich ursprünglich auch nix weiter machen. Der Tag war aber doch zu schön,
so dass ich mir mein Auto geschnappt habe und mit Musik zuerst die Ostküste entlang gefahren bin. Da sieht's so ein bisschen aus wie bei die Rettungsschwimmer von Malibu. Während ich feststellte, dass mich diese joggenden Fitness-Queens am Strand nicht wirklich unterhalten und hier eine Holzhütte wie die andere aussieht fiel mir Piha wieder ein.
Schon öfter fiel dieser Name und er wurde mit einem wirklich schönen Ort 20 Kilometer nordöstlich von Auckland in Verbindung gebracht. Ich also den Fiat gewendet und dann einmal quer durch Auckland. Plötzlich wurde die Straße kurviger und ein tropischer Kauriwald begann. Es war wirklich überraschend,
wie schnell man von Auckland im subtropischen Wald ist und Mittags war ich schon am berühmten Strand in der Nähe von Piha. Das Meer ist dort wohl sehr gefährlich, hat aber große Surfwellen und vor allem schwarz-goldenen Sand. Ich dachte sofort an die Diskussionsgruppe "Es glitzert, es ist sinnlos, ich will es". Hoffentlich kommt das ein bisschen im Video rüber.
Nur falls mich morgen jemand anrufen möchte oder mir eine SMS schicken möchte:
0064-21-02619944
1 Kommentar:
Lieber Gunther,
gespannt verfolgen wir seit Tagen deine Berichte. Während wir im Juridicum versauern, scheinst du eine Menge zu erleben...
Wir haben natürlich nicht vergessen, dass du heute (zumindest in Neuseeland müßte es bereits cirka 6 Uhr sein) zum 28. Mal den Tag deiner Geburt feierst. Du wirst sicher in ca. 6 Stunden oder auch etwas später aufstehen und ab da so richtig die neuseeländische Sau rauslassen.
Hierbei viel Spaß, alles Gute, paß auf dich auf und spring nicht überall runter, nur weil ein Neuseeländer das von dir verlangt... ;-)
P.S. Wann geht die Party genau los und wo treffen wir uns?^^ Könnte sein, dass wir uns etwas verspäten...
Grüße aus der Heimat von
Marco & Frank
Kommentar veröffentlichen